Gefahr der digitalen Sucht

„Eltern müssen sich einmischen zum Medienkonsum ihrer Kinder“

WUNSTORF (gi). In der gut be­such­ten Ver­an­stal­tung des Ver­eins Im­pulse für Kin­der­er­zie­hung in der Aula der Otto-Hahn-Schule ging es um den Um­gang der Kin­der und Ju­gend­li­chen mit den di­gi­ta­len Me­dien. Dr. Oli­ver Diers­sen hielt einen an­schau­li­chen und sehr in­for­ma­ti­ven Vor­trag ü­ber die­ses The­ma, er ist Arzt auf der Teen Spi­rit Is­land Sta­tion des Kin­der­kran­ken­hau­ses auf der Bult, dort wer­den me­diensüch­tige Kin­der und Ju­gend­li­che be­han­del­t. Zu Be­ginn sei­nes Vor­trags stellte er dar, wes­halb die In­ter­net­spiele und die so­zia­len Netz­werke so at­trak­tiv für die Ju­gend­li­chen sind. Wo­bei Jun­gen eher zum Spie­len nei­gen und Mäd­chen in so­zia­len Netz­wer­ken un­ter­wegs sind. Eine Such­ter­kran­kung liegt zum Glück nicht so häu­fig vor, aber einen pro­ble­ma­ti­schen In­ter­net­ge­brauch kann man bei 17 Pro­zent der Mäd­chen und bei 14 Pro­zent der Jun­gen be­ob­ach­ten. Woran wird er­kannt, dass eine Ge­fähr­dung vor­lie­gen könn­te? Dr. Diers­sen be­ton­te, dass eine Me­dien­sucht keine Er­kran­kung im ei­gent­li­chen me­di­zi­ni­schen Sinn ist, son­dern dass hin­ter dem stun­den­lan­gen täg­li­chen Me­dien­ge­brauch eine an­dere psy­chi­sche Pro­ble­ma­tik steckt. In der Re­gel ist es eine Be­zie­hungs­störung, die sich da­durch deut­lich macht, dass die Ju­gend­li­chen nicht mehr er­reich­bar sind für die El­tern, sie wer­den un­ehr­lich und un­zu­ver­läs­sig, un­ter­lie­gen häu­fig Stim­mungs­schwan­kun­gen, zei­gen ein ag­gres­si­ves Ver­hal­ten, ih­nen fehlt die Mo­ti­va­tion sich für die Schule ein­zu­set­zen und sie fal­len auch durch eine Ge­fühls­kälte auf. Die rea­len Be­zie­hun­gen zur Fa­mi­lie und den Freun­den wer­den im­mer mehr ver­nach­läs­sigt. Sollte der Me­dien­kon­sum sehr mas­siv sein, dann ver­nach­läs­si­gen sie auch die Kör­perhy­giene und die ge­sunde Ernährung.

In der Dis­kus­sion zeigte es sich dann, dass sich viele El­tern Sor­gen ü­ber den Me­dien­kon­sum ih­rer Kin­der ma­chen. Die­ses soll­ten sie dann deut­lich mit den Kin­dern be­spre­chen und auf ein kon­se­quen­tes Ein­hal­ten von ge­mein­sa­men Ab­spra­chen ach­ten. El­tern müs­sen sich ein­mi­schen und dür­fen die Ent­schei­dun­gen ü­ber den täg­li­chen Me­dien­kon­sum nicht ih­ren Kin­dern ü­ber­las­sen. Ihre el­ter­li­che Prä­senz und Stärke ist ein wich­ti­ger Fak­tor für die ge­sund­heit­li­che Pro­gnose ih­rer Kin­der. Sie müs­sen den Ju­gend­li­chen eine Be­zie­hung an­bie­ten: „Du bist mir nicht egal“ und eine deut­li­che Hal­tung an­neh­men: „Wir wer­den dein Ver­hal­ten nicht hin­neh­men, so wol­len wir nicht wei­ter ma­chen, denn wir fühlen uns nicht gut da­bei“.

Ha­ben El­tern den Ein­druck, dass eine gute Be­zie­hung zwi­schen ih­nen und ih­ren Kin­dern be­steht und die Ju­gend­li­chen nicht ihre Auf­ga­ben und Pflich­ten ver­nach­läs­si­gen, dann ist auch der PC-Ge­brauch nicht ge­sund­heits­schäd­lich. Die vie­len Nach­fra­gen der Zuhö­rer mach­ten deut­lich, wie be­deu­tend das Thema „PC-Ge­brauch“ in den Fa­mi­lien ist. Der Ein­tritt war kos­ten­los, da die Ver­an­stal­tung fi­nan­zi­ell vom Li­ons Club un­ter­stützt wur­de.

­(c) Wunstorfer Stadtanzeiger vom 07.09.2013, Fo­to: gi